Full text : Rechenschafts-Bericht über die Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt, Berlin, 4.1910/12 (4.1910/12)

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Wir waren also gezwungen, die Anstalt an einer Verkehrsstraße zu errichten,
auf der wir mit möglichst geringem Zeitverlust zu unserer für die Verhältnisse der
Stadt günstig gelegenen Fürsorgestelle gelangen konnten. Wir haben das dadurch
erreicht, daß die Baustelle in der Nähe der Endstation „Thielplatz‘“ der neuen Unterzrundbahn
 Wilmersdorf-—Dahlem liegt. Aber die Gründe für möglichst raschen Verkehr
gehen noch weiter. Die Mannigfaltigkeit der Krüppelgebrechen und die ebenso im
Kindesalter häufig auftretenden Nebenerkränkungen verlangen es, daß außer der orthopädischen
 Spezialwissenschaft auch aus andern Fächern Konsiliarii die
Anstalt regelmäßig besuchen, so der Nervenarzt, der Ohrenarzt, der Augenarzt, der
Zahnarzt, gelegentlich auch der Kinderarzt. Bedeutende Vertreter ihrer Fächer waren
um so leichter zu bekommen, je günstiger die Verbindung war. Da die Herren ehrenamtlich
 arbeiten, waren wir ihnen wenigstens die Rücksicht schuldig, den Zeitverlust
auf ein Mindestmaß herabzusetzen. .
Ebenso wichtig aber sind gute Verkehrswege für die Ausbildung unserer Zöglinge.
 Nicht alle eignen sich für die in unserem Hause gelehrten Handwerke, weil die
Eigenart des Krüppeltums oder eine besondere (musikalische, zeichnerische) Begabung
im FEinzelfalle nach einem Beruf verlangt, der dem Kinde nur erschlossen werden kann,
wenn es einen Lehrmeister in der Stadt bequem aufsuchen kann oder dieser leicht
zur Anstalt gelangt. Dasselbe gilt für die bei den Erziehungs- und Unterhaltungsabenden
‘ätigen Künstler‘ und Helfer, für die Beschaffung von Arbeit für unsere Werkstätten und
Absatz der gefertigten Ware u. v. a. m.
Kurz gesagt: Das Gedeihen der Anstalt, ihre Wirtschaftlichkeit
 und ihre Leistungen stehen und fallen mit der
Möglichkeit, auf zahlreichen Wegen schnell alle Teile
Groß - Berlins zu erreichen. Wir haben keine Zeit und Mühe gescheut,
um für eine gesicherte Entwicklung unserer Anstalt diese Voraussetzungen zu schaffen,
die wir unserer im Dienste der Allgemeinheit stehenden Arbeit und unsern Geldgebern
schuldig waren.

Nach zahllosen Erwägungen und Besprechungen und verschiedenen vergeblichen
Versuchen, an anderen Stellen passendes Gelände zu finden, gelang es uns, namentlich
Aurch das dankenswerte Entgegenkommen des Herrn Ministers für Landwirtschaften,
Domänen und Forsten aus den Forstgeländen des Grunewaldes ein Grundstück zu günstigen
 Bedingungen zu erwerben, das allen unseren Wünschen in der vortrefflichsten Weise
Rechnung trägt. Es liegt zwischen Zehlendorf und Dahlem gegenüber
 der Oberförsterei Grunewald, umfaßt 16 Morgen, davon mehr
als die Hälfte Wald, sowohl Kiefern als Eichen; Akazien, Buchen usw. Gegen Süden
ist es offen, nach Norden und Nordwesten hin liegt die gewaltige Masse des Grunewaldes.
 Da es auf dem höchsten Punkte der Umgebung liegt, so schaut man weit
über die Felder nach Groß-Lichterfelde, Zehlendorf und Teltow. Die Verbindung
geht jetzt über Bahnhof Zehlendorf - Mitte (Wannseebahn), von
wo aus das Gelände in 20 Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Droschken stehen jederzeit
ın großer Zahl am Bahnhof zur Verfügung. Aber noch bevor wir unsere Anstalt eröffnen
 werden, wird die wichtigere Verbindung der Untergrundbahn, und zwar die
über Wilmersdorf und Dahlem führende vom Wittenbergplatz abgehende
Linie, unsere Anstalt bis auf 10 Minuten Weg erreichen, denn die Eröffnung dieser
Schnellbahn ist für 1913 vorgesehen. Da sie nicht in freiem Felde
dauernd endigen kann, sondern weiter geführt werden muß, so ist es nur eine Frage
der Zeit, wann wir eine Haltestelle dieser Einschnittbahn unmittelbar an
unserem Gelände bekommen werden, Es ist ferner in Aussicht genommen,
 daß an das GroBß-Berliner Straßenbahnnetz bei Roseneck eine Straßenbahn-